Wundversorgung: Erste Hilfe bei Wunden

Verletzungen können immer und überall passieren in jedem Alter. Was tun, wenn die Haut verletzt ist? Lesen Sie in diesem Beitrag, welche Wundarten es gibt, wie Sie Wunden versorgen, wie Sie die Wundheilung beschleunigen können und mit welchen Wunden Sie einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen sollten.

Wunden – Entstehung, Wundarten und Heilung

Verletzungen können in nahezu jeder Lebenssituation entstehen: Ein Sturz im Haushalt, eine Verbrennung beim Kochenoder ein Unfall im Straßenverkehr, wie zum Beispiel mit dem Fahrrad. Schnell ist die Haut beschädigt. Auch das darunter liegende Gewebe kann Schäden nehmen, Bakterien und Viren können in die Wunde eindringen und den Heilungsprozess verzögern oder zu Komplikationen führen.  

Gut zu wissen: Je nach Tiefe der Wunde spricht man in der Fachsprache von Ulkus oder Geschwür. Lesen Sie mehr dazu in unserem Hautlexikon 

Wundarten: Was für Wunden gibt es?

Einfache Wunden, geschlossene Wunden, komplexe Wunden und akute Wunden – Mediziner und Medizinerinnen nutzen allerlei Begriffe, die für Laien nicht immer ganz einfach zuzuordnen sind. Wir erklären Ihnen einige häufige Wundarten:  

Akute Wunden entstehen durch eine plötzliche Schädigung der Haut. Ursachen dafür können beispielsweise Abschürfungen, Quetschungen, Schnitte, Stiche, Tierbisse, Verbrennungen oder Verbrühung sein. In diesen Fällen wird auch von Verletzungen oder Traumen gesprochen. Aber auch medizinische Eingriffe können akute Wunden verursachen. Zum Beispiel bei Biopsien oder Operationen. Ebenso führen einige kosmetische Maßnahmen zu Verletzungen der Haut. Dies kommt zum Beispiel bei Piercings, Tätowierungen oder Schönheitsoperationen vor.  

Der Begriff der offene Wunde beschreibt eine Verletzung der Haut. Eine oberflächliche Verletzung der Haut wird als einfache Wunde beschrieben. Von einer komplexen Wunde wird gesprochen, wenn zudem Strukturen (Organe, Muskeln, Nerven etc.) verletzt sind.  

Geschlossene Wunden sind Verletzungen oder Schädigungen bei unversehrter, also geschlossener Haut. Dazu zählen zum Beispiel Hämatome, Quetschungen, Organverletzungen und Prellungen.  

Chronische Wundenkönnen aus akuten Wunden entstehen, wenn die normale Wundheilung gestört ist. Dauert die Heilung länger als acht Wochen, spricht man von einer chronischen Wunde. Das kann passieren, wenn es zu einer Wundinfektion kommt oder der Patient bzw. die Patientin zum Liegen gezwungen ist und somit die Wunde permanentem Druck ausgesetzt ist. Andere häufige Gründe sind Durchblutungsstörung einer Wunde aufgrund einer bestehenden Erkrankung, wie zum Beispiel Diabetes mellitus, Schaufensterkrankheit oder Venenerkrankungen.  

Gut zu wissen: Warum schlechte Wundheilung bei Diabetes?  

Die Stoffwechselkrankheit Diabetes mellitus steht in Verbindung mit einer Reihe von Hautkrankheiten und führt auch zu einer schlechten Wundheilung. Das liegt an dem gebremsten Insulinstoffwechsel an der Wundstelle und den Veränderungen an den Gefäßen. 

Erste Hilfe bei Wunden

Hier finden Sie eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, um Wunden zu versorgen.  

So versorgen Sie kleine Wunden selbst

  1. Waschen Sie Ihre Hände gründlich, bevor Sie eine Wunde versorgen. Andernfalls können Keime in die Wunde gelangen und den Heilungsprozess verzögern. Alternativ können Sie auch Einweghandschuhe tragen, so kommen Sie nicht in direkten Kontakt mit dem Blut.  
  2. Reinigen Sie die Wunde, indem Sie diese mit sauberem Wasser oder einer speziellen Lösung auswaschen.  
  3. Falls sich Fremdkörper wie Steine oder Splitter in der Wunde befinden, entfernen Sie diese mit einer sterilen (desinfizierten) Pinzette
  4. Tragen Sie nun eine Wundsalbe oder ein Wundgel auf die verletzte Stelle auf.  
  5. Je nach Größe der Wunde können Sie diese nun verbinden. Achten Sie darauf, dass der Verband nicht an der Wunde haftet. Kleine Abschürfungen heilen am besten ohne Verband.  
  6. Beim täglichen Verbandswechsel sollten Sie den Heilungsprozess kontrollieren und bei Rötungen, Schwellungen oder Schmerzen einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen.   

Gut zu wissen: Wann zum Arzt?  

Kleinere akute Wunden oder Abschürfungen können Sie in der Regel selbst versorgt. Sollten Sie sich eine tiefere oder größere Wunde zugezogen haben, sollten diese ärztlich versorgt werden. 

Notfallversorgung bei stark blutenden Wunden

Ist ein Gefäß verletzt worden, blutet die Wunde stark. Sie sollten in so einem Fall schnellstmöglich einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen und selbst eine Notfallversorgung durchführen.  

  1. Drücken Sie das blutende Gefäß mit den Fingern ab. Können Sie dieses nicht erkennen, sollte die Wunde großflächig, zum Beispiel mit einem Handtuch, abgedeckt werden. Üben Sie dabei etwas Druck auf die Stelle aus.  
  2. Je nachdem wie groß die Wunde ist und wie stark sie (noch) blutet, können Sie einen Druckverband anlegen: Legen die eine sterile Kompresse auf die Wunde und umwickeln Sie diese straff mit einer Mullbinde. Das Ende kleben Sie mit einem Heftpflaster fest.  

Gut zu wissen: Sind Sie gegen Tetanus geimpft? Sollten Sie sich unsicher sein, ist es ratsam, den Impfausweis ärztlich kontrollieren zu lassen. So erfahren Sie, ob es Zeit ist, die Impfung wieder aufzufrischen.  

Wundheilung

Die Wundheilung ist ein komplexer Prozess, der abhängig von der Wundart und der Schwere der Wunde wenige Tage oder einige Wochen dauern kann.  

Wundheilungsphasen: Die drei Phasen der Wundheilung

Unterteilen kann man die Wundheilung in drei Phasen, die zum Teil gleichzeitig ablaufen.  

Die Reinigungs- oder Inflammationsphase (Phase 1) beginnt, sobald es zu der Verletzung kommt und dauert ungefähr drei Tage. Der Körper sorgt dafür, dass sich der Blutverlust über die Wunde verringert, indem sich die Gefäße verengen. Zudem kommt es zu der sogenannten Hämostase, das heißt, dass das Blut sich verfestigt. Bei dieser Blutgerinnung entsteht das Eiweiß Fibrin, welches dafür sorgt, dass die Wunde verklebt und somit geschützt wird. Gleichzeitig wandern zur Reinigung Entzündungszellen aus dem Körper in die Wunde. Haben Sie sich eine nässende Wunde zugezogen, befindet sich zudem Wundflüssigkeit, sogenanntes Exsudat, in der verletzten Stelle, um Bakterien auszuschwemmen. Diese Wundflüssigkeit und das Fibrin bilden nach wenigen Tagen eine Wundkruste, auch Wundschorf genannt. Die zweite Phase ist die Granulations- oder Proliferationsphase. Sie beginnt ungefähr am zweiten Tag nach der Verletzung und dauert wiederum bis zu zwei Wochen. Diese Phase setzt also ein, während die Reinigungs- oder Inflammationsphase noch im vollen Gange ist. Der Körper beginnt ab dem zweiten Tag damit in der Wunde neues Gewebe zu bilden. Dafür wandern Zellen, die sogenannten Fibroblasten, aus dem umliegenden Gewebe in die Wunde.  

Die Kapillaren, kleine Gefäße, wachsen zur Blutversorgung aus den umliegenden Blutgefäßen. Ab Tag vier beginnt die letzte, die Regenerations- oder Epithelisierungsphase.  

Nun wird das Granulationsgewebe zu Narbengewebe, vom Rand aus wandern neue Epithelzellen in die Wunde. Die Wunde schrumpft nun nach und nach, bis sie endgültig geschlossen ist. Nach dem Wundverschluss verändert sich das entstandene Narbengewebe durch die Neubildung von Kollagen. Mit der Zeit kann sich das Narbengewebe verändern und sogar komplett verschwinden.  

Tipp: Sie sind sich unsicher, ob Ihre Wunde gut heilt? Lassen Sie einen Arzt oder eine Ärztin Ihrer Wahl einen Blick auf die Stelle werfen. Einfach Dermatologen oder Dermatologin bei OnlineDoctor auswählen, Fotos hochladen und ein paar Fragen beantworten. Innerhalb von 48 Stunden erhalten Sie eine fachärztliche Einschätzung zu Ihrer Wunde. 

Gut zu wissen: Warum juckt Wundheilung?  

Dafür kann es zwei Gründe geben: Der Juckreiz kann zum einen durch das Heilen von Nervenenden ausgelöst werden, denn diese senden Signale an das Gehirn, die von uns als Jucken empfunden werden. Der zweite Grund für das Jucken ist die trockene Wundkruste. Trockene Haut verursacht häufig einen unangenehmen Juckreiz. Weitere Hautkrankheiten, die einen Juckreiz verursachen und Tipps, um diesen zu lindern, finden Sie hier. 

So können Sie Ihre Wundheilung fördern

Sie können Ihren Körper bei der Wundheilung unterstützen, indem Sie auf einige Punkte während der Heilung achten.  

1. Versorgung der Wunde 

Wichtig ist zunächst einmal eine adäquate Wundreinigung, damit Sie die Gefahr einer Infektion senken.  

2. Wundruhe  

Wichtig ist auch ausreichend Wundruhe. Schonen Sie die betroffenen Körperstellen während der Heilung.  

3. Die richtige Ernährung zur Wundheilung 

Bei der Wundheilung ist Ihr Körper auf eine adäquate Ernährung angewiesen. Mangelernährung, aber auch Fehlernährung kann zu einer Verzögerung der Wundheilung führen und das Infektionsrisiko erhöhen. Neben einer ausreichenden Versorgung mit Makronährstoffen spielen auch verschiedene Vitamine, insbesondere Vitamin A und Vitamin C eine essenzielle Rolle bei der Wundheilung.   

Tipp: Fragen Sie Ihren Dermatologen oder Ihre Dermatologin nach einer geeigneten Creme oder Salbe für Ihre Wundeum die Wundheilung zu beschleunigen.